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Marian
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Vor einigen wenigen Jahren entschied sich Marian, das Licht der Welt zu erblicken und für eine bestimmte Zeit bei uns zu bleiben. Auch er gehörte zu den ganz besonderen Kindern, die anderen Menschen eine Menge beibringen.
Marians erster und längster Schüler war seine Mutter. Sein Start ins Leben war alles andere als leicht und wenn es mal wieder darum ging, ob der kleine Junge bei uns bleiben wird oder nicht, sah er seine Schülerin an und dachte: ‚Sie ist eine sehr gute Schülerin...manchmal vielleicht etwas ungeduldig, aber das wird sie noch lernen.‘ So entschied er sich immer und immerwieder zu bleiben um seinem einzigartigen Lehrauftrag folge zu leisten.

Er war ein stummer Lehrer, der ohne Worte Geschichten erzählte. Die Kunst war es, seine „Sprache“ zu erlernen. Wer in seiner Fächergruppe der Fremdsprachen gut war, wollte nie wieder einen anderen Lehrer haben, denn Marian machte seine Sache gut. Wer jedoch zu lange brauchte, ihn zu verstehen blieb gnadenlos sitzen.
Von Beginn an zählte er zu den Lehrern der reha4kids Klasse. Marian suchte sich seine Schüler, die er unterrichten wollte, immer selbst aus.

Vergab er die Note „sehr gut“, so erhielt man einen liebevollen Luftkuss, den er pustend über seine Hand verschickte. Die Note „gut“ war ein Lächeln mit schief geneigtem Kopf und intensivem Blickkontakt. Wenn man im Mittelfeld „befriedigend“ lag, konnte man sich auf vorsichtige Berührungen einstellen, die jedoch mit einem kurzen Laut direkt wieder eingegrenzt wurden. Tja, „ausreichend“ signalisierte er mit leicht zusammengekniffenen Augen und einem verdächtigen Inne halten… rutschte jemand in den Bereich „mangelhaft“, folgte eine abwinkende Handbewegung und er ging. Im Falle einer „ungenügenden“ Leistung, sollten seine Schüler merken, dass das absolut inakzeptabel war. Dann wurde Marian schon fast cholerisch.

So rieten erfahrene Schüler den Neuen immer dazu, niemals die unterste Schublade bei ihm zu öffnen, denn dann strotzte er vor Wut und konnte Spucken wie ein Lama.

Er war jedoch der beste Lehrer in Sachen Naturkunde. Dieses Fach wurde auf den Freizeiten jeden Tag unterrichtet. Marian liebte das Meer und den Strand. Hatte
er grade kein Meer und keinen Strand zur Hand, fiel seine Medienwahl recht flexibel aus. So konnte an manchen Tagen ein Vorgarten oder eine Regenpfütze durchaus auch genügen. Irgendwann dachte er sich, dass er alles erreicht hat, was ihn zufrieden stellt. Immer wieder dachte er über Mama nach...dann fielen im Tobias und Klaus ein, seine zweitbesten Schüler.

Er brauchte ein paar Tage, um zu dem Schluss zu kommen, das es Zeit wird zu gehen, um eine neue Aufgabe anzutreten. So schlich er sich davon und wählte einen Moment, in dem er sich sicher sein konnte, dass niemand ihn am Gehen hindern wird.
Nun ist Marian ein Teil des Meeres vor Helgoland. Immer, wenn das Meerwasser uns ins Gesicht spritzt, sagt das ein oder andere Kind:
„Na, Marian, hör auf zu spucken!“ Ein Lehrer in einer Förderschule sagte zu einem unserer Freizeitkinder: „Da hat der liebe Gott es aber gut gemeint mit Euch. Ihr hattet ja nur Sonne." Da antwortete das Kind ohne zu zögern: „Das war nicht der Gott. Das war Marian!“        

 
   
   
   
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